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Traumatisierte Tiere- Teil 1

Trauma erkennen und behandeln
Teil 1: Trauma erkennen

Ein Trauma bei einem Tier zu erkennen ist nicht immer einfach, denn oft wissen wir, gerade bei Tierschutztieren, nichts über ihre Vergangenheit und die Erlebnisse, die sie hatten. Verhaltensauffälligkeiten, die Tiere zeigen, können ein Hinweis auf ein Trauma sein, können aber auch ganz andere Ursachen haben. Hier gilt es, genau hinzuschauen.

Deswegen möchte ich erst einmal mit der Definition von Trauma ein Verständnis wecken, das uns später hilft, bei unseren Tieren zu erkennen, ob sie traumatisiert sind.

 

Zunächst einmal muss unterschieden werden zwischen einem traumatischen Ereignis und einer Traumatisierung. Ein traumatisches Ereignis (wie z.B. ein Unfall, eine OP) muss nicht zwangsläufig zu einer Traumatisierung führen. Traumatische Ereignisse treten akut auf, können aber in der Regel von den betroffenen Tieren in den folgenden Tagen/ Wochen selbstständig verarbeitet werden und hinterlassen keine bleibenden Spuren.

 

Ein Trauma kann nur an der Reaktion der betroffenen Tiere abgelesen werden. Diese traumatische Reaktion erfolgt , wenn das Bewältigungssystem des Tieres vollkommen überfordert ist und es sich hilflos und überwältigt fühlt. Kurz gesagt: zu viel- zu schnell - zu plötzlich. Gefühle von übermächtiger Angst, Kontrollverlust und Angst vor Vernichtung bestimmen das Erleben.

 

Im Folgenden wird dann in zwei Trauma-Kategorien unterschieden:

  • das Schocktrauma wird als einzeln abgegrenztes Ereignis definiert, welches sich im Gedächtnis verankert. Es entsteht während des Augenblicks (z.B. wenn ein Tier geschlagen wird oder bei Silvesterknallern). Es wirkt sich im Alltag nicht auf das Verhalten des Tieres aus, kann aber durch sogenannte “Trigger” wieder ausgelöst werden (z.B. eine Tür knallt zu = Tier fühlt sich an Silvester erinnert).
  • das Entwicklungstrauma entsteht, wenn ein Tier hohem Stress über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist und sich nicht sicher fühlen kann (z.B. bei sehr schlechten Haltungsbedingungen, Unterversorgung mit Nahrung, dauerhafte Schläge).
    Dies führt dazu, dass die Tiere (besonders Tierkinder) sich nicht normal entwickeln können. Ein Entwicklungstrauma greift tief in die Persönlichkeitsstruktur und -entwicklung ein und verändert das Nervensystem. Dies führt nicht selten zu Verhaltensauffälligkeiten. Hier sind ein paar Beispiele:
    • die Tiere haben eine schlechte Selbstregulation. Sie können  nicht entspannen, sind rastlos, können nicht angemessen mit Emotionen wie Freude, Angst (z.B. sog. “Angstbeisser”) oder Aggressionen (die Tiere haben ein hohes Aggressionspotential) umgehen.
    • die Tiere haben Dauerstress durch eine hohe Aktivierung des Nervensystems
    • die Tiere befinden sich in einem ständigen Zustand der “Submission” (Unterwerfung). Sie verhalten sich in allen Situationen (unangemessen) unterwürfig gegenüber Menschen und anderen tierischen Mitbewohnern.
    • die Tiere besitzen wenig Modulationsfähigkeit (Wandlungsfähigkeit) des Nervensystems. Sie haben große Schwierigkeiten sich an neue oder unvorhergesehene Situationen anzupassen, sie reagieren unflexibel und erscheinen starr
    • die Tiere haben Beziehungsstörungen zu Menschen und anderen tierischen Mitbewohnern. Dies zeigt sich  z.B. in Angst vor Nähe, Vermeidungsverhalten oder Distanzlosigkeit, wie aus dem “Nichts” auftretende Verhaltensänderungen gegenüber anderen Menschen und Tieren (z.B. plötzliches beißen) oder die Suche nach besonderem Schutz (ständiges Kuscheln und Körperkontakt suchend).
    • die Tiere zeigen übermäßiges Ess- Suchtverhalten in dem sie alles in sich hineinstopfen, was sie gerade bekommen können
    • die Tiere sind desorientiert, träumen oft (sitzen und starren Löcher in die Luft) oder es passieren übermäßig viele Unfälle (stürzen oder verletzen sich).

Dies alles können Hinweise für ein Trauma sein, müssen es aber nicht, weswegen eine Traumadiagnostik immer langfristig zu sehen ist und nie an einem einzelnen Ereignis oder einem einzelnen Verhalten festgemacht werden kann.

Wenn nun ein Trauma diagnostiziert wurde stellt sich anschließend die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, das Trauma aufzulösen.

Dieses Thema werde ich in Teil 2 des Blogartikels in der nächsten Woche behandeln.

 

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